Cabriobeet Strassenkräutzer

Der Wohnraum in Wien wird immer teurer, Parkraum wird aber verschenkt. Für unglaublich läppische 10€/Monat kann mit einem Auto öffentlicher Raum privatisiert werden. Wäre es nicht gerecht, wenn man zu gleichen Konditionen & ähnlich unkompliziert ein Hochbeet aufstellen könnte? Ein altes Sofa, ein Kaffetischerl, einen Obstbaum, einen Wuzzler?

Der öffentliche Raum in Wien wird von Autos dominiert. Wien, du bist ein Parkplatz. Dabei müssen wir gerade im Verkehrssektor die CO2 Emissionen dringend senken. Die Stadt Wien hält trotzdem an Autobahnprojekten fest und befeuert damit die Klimakrise: mehr Straßen bedeutet mehr Verkehr.

Dieser fesche Peugeot Cabriobeet 306 ist fahrtüchtig & hat ein Parkpickerl für den 9. Bezirk.

Die angebauten Kräuter sind zur freien Entnahme!

Das Cabriobeet ist eine Privatinitiative des Filmemachers Christoph Schwarz gemeinsam mit einigen NachbarInnen im Grätzel Nussdorfer Straße / Sobieskigasse, Wien 1090

Download Pressematerial
Offener Brief an Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky

Medienberichte:
Kurier, 17.8
Der Standard, 17.8
Süddeutsche Zeitung, 30.8
Deutschlandfunk Nova
Bezirkszeitung Alsergrund
ORF / Wien Heute
Café Puls, Puls4
Tech & Nature
W24 Bezirksflash

Rückfragehinweis:
info (at) cabriobeet.net
Instagram: cabriobeet_vienna
Christoph Schwarz
0650/7612805


Der Traum vom Cabriobeet

Christoph Schwarz im Gespräch mit Daniel Bleninger, August 2021

Wie kommt man dazu, dass man ein wunderschönes Cabrio für ein paar vertrocknete Kräuter opfert?

Geopfert ist da gar nichts, das Peugeot Cabriobeet 306 ist absolut fahrtüchtig. Die Unterkonstruktion am Fahrerinnensitz kann rückgebaut werden, dann steht einer Spritztour mit Beet nichts im Wege. Und die Kräuter werden sich schon erholen, umpflanzen im Hochsommer ist halt riskant. Ich verstehe, dass man dem Charme eines Cabrios erliegen kann, aber ich für meinen Teil finde die Idee des Kräuterbeets als sozialer Begegnungsort im öffentlichen Parkraum viel ansprechender als das fragwürdige Freiheitsversprechen des motorisierten Individualverkehrs – vorallem in einer Stadt wie Wien, wo der öffentliche Verkehr im innerstädtischen Bereich sehr gut ausgebaut ist.

Was möchtest Du mit dieser Aktion herausfordern?

Ich möchte, dass wir mit frischen Augen unsere Stadt anschauen, und uns überlegen, wie wir mit dem knappen Gut öffentlicher städtischer Raum umgehen wollen. Während die Wohnungspreise steigen, ist es möglich, mit einem Auto für 10 Euro / Monat acht Quadratmeter öffentlichen Raumes zu privatisieren. Dabei sollten doch genau umgekehrt klimafreundliche Aktivitäten im öffentlichen Raum gefördert werden! Wieso darf ich mir nicht mit ähnlich unkomplizierten Behördenwegen für diese Summe ein Hochbeet aufstellen, an dem dann auch andere Menschen eine Freude haben? Ich möchte aber nicht falsch verstanden werden: es geht nicht darum, AutobesitzerInnen individuell anzuklagen. Wir brauchen eine mutige Politik, die massiv in Carsharing-Lösungen investiert, die öffentliche Verkehrsmittel kostenlos anbietet und aufhört, Milliarden in große Straßenbauprojekte zu versenken.

Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen bei dieser Aktion?

Das Carbio ist angemeldet und verfügt über ein Parkpickerl. Natürlich könnten die Behörden eine Fahrtüchtigkeitsprüfung anregen, wenn der Verdacht besteht, dass mein Cabrio nicht mehr fährt. Den Beweis treten wir gerne an, und parken uns eben woanders hin.

Wie sind die Reaktionen aus der Nachbarschaft?


Es gab ein überwältigendes Echo hier im Grätzel. Viele bleiben stehen und machen ein Foto, das Cabrio ist Gesprächthema und öffnet plötzlich einen Raum, in dem sich Menschen begegnen. Man merkt, wie dringend wir in der Stadt mehr Kommunkationsräume bräuchten, in denen kein Konsumzwang herrscht und man gerne verweilt. Der Platz wäre rechnerisch da, wenn wir uns mittelfristig von einem Teil der 700.000 Wiener Autos verabschieden. Das Cabriobeet ist ja ein direktes Angebot an die Nachbarschaft, sich einzubringen. Die Kräuter können geerntet und verwendet werden, ich freue mich auch, wenn jemand Lust hat, mitzugarteln und weitere Kräutersträucher einsetzt. Ich muss gestehen, mir fehlt der grüne Daumen.

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Christoph Schwarz (40) ist Filmemacher und lebt mit seiner Familie in Wien-Alsergrund. Für seinen Essayfilm „Die beste Stadt ist keine Stadt“, der multiple Sichtweisen auf die Seestadt Aspern vereint, wurde er 2020 mit dem Österreichischen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Der Film ist noch bis Ende des Jahres auf der Website von Christoph Schwarz kostenlos zu streamen: www.christophschwarz.net/dbsiks