Grünspur statt Parkspur!

Seit Juni 2024 ist das Cabriobeet dank 52 großzügigen UnterstützerInnen wieder fahrtüchtig! Diese Saison parken wir am Währinger Gürtel am Alsergrund, um einer Nachbarschaftsinitiative zu helfen, eine Parkspur bzw wenig frequentierte Abbiegespur in eine Grünspur zu verwandeln.

➞ Zur Petition „Währinger Gürtel: Grünspur statt Parkspur“

——

Das Cabriobeet ist seit 2021 ein Symbol
für die klimschädlichen Privilegien von Autos in Wien. 

Der Wohnraum in Wien wird immer teurer, Parkraum wird aber verschenkt: Für  läppische 10€/Monat kann mit einem Auto öffentlicher Raum privatisiert werden. Wäre es nicht gerecht, ähnlich unkompliziert & billig ein Hochbeet aufstellen zu können? Aktuell gibt es dafür keine rechtliche Grundlage – befindet sich ein Cabrio unter dem Hochbeet, ist das alles aber kein Problem.

Dabei müssten wir gerade im Verkehrssektor die CO2-Emissionen dringend senken. Die Stadt Wien möchte in ihrem Klimafahrplan bis 2030 die Anzahl der Autofahrten in der Stadt halbieren. Maßnahmen dafür gibt es keine, außerdem wird an klimaschädlichen Autobahnprojekten im Nord-Osten der Stadt festgehalten.

Das Cabriobeet möchte die Nachbarschaft ermuntern, für die Verkehrswende aktiv zu werden – durch informelle Gespräche am Straßenrand & beim gemeinsamen Gärtnern. Neben der Arbeit auf der Straße wurden zwei Petitionen initiert, die ohne Erfolg vor dem Petitionsausschuss der Stadt Wien präsentiert wurden:

Petition „Parkpickerl an Richtwert-Mietzins koppeln“ (Frühjahr-Herbst 2023) 
– Petition „Hochbeete in der Parkspur“ (Frühjahr/Sommer 2022)

Dieser fesche Peugeot 306 ist fahrtüchtig & hat ein Parkpickerl für den 9. Bezirk. 
Aktueller Standort: Währinger Gürtel 162, 1090 Wien

Die angebauten Kräuter sind zur freien Entnahme!

Das Cabriobeet ist eine Privatinitiative des Filmemachers Christoph Schwarz gemeinsam mit NachbarInnen im Grätzel.

Download Pressematerial
Offener Brief an Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky
Cabriobeet Kanal auf Instagram

Rückfragehinweis:
info (at) cabriobeet.net
Instagram: cabriobeet_vienna
Christoph Schwarz
0650/7612805


Ein Cabrio kämpft für die Grünspur!

Christoph Schwarz im Gespräch mit Daniel Bleninger, Juli 2024

Warum parkt ihr mit eurem begrünten Cabrio dieses Jahr am Gürtel?

Es gibt seit 2 Jahren eine Nachbarschaftsinitiative am Währinger Gürtel, die eine wenig frequentierte und viel zu lange Abbiegespur und eine Parkspur direkt am Gürtel begrünen möchte – als Schutz vor der Autolawine, für bessere Luft, kühlere Temperaturen. Es war naheliegend, das Cabriobeet dieses Jahr verstärkt am Gürtel abzustellen um damit die Petition „Währinger Gürtel: Grünspur statt Parkspur“ zu bewerben.

Was sind die Argumente der Stadt gegen die Begrünung?

Der 9. Bezirk hat unsere Idee prinzipiell unterstützt, aber seit 2 Jahren geht in der Frage nichts weiter. Im Herbst 2024 wird die Stadt eine Neugestaltung der Verkehrsflächen um die U6 Station Nussdorfer Straße präsentieren – deswegen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um unseren Vorschlag bekannt zu machen und die Nachbarschaft einzuladen, sich Gedanken über die Begrünung zu machen. Folgende zwei Argumente sprechen dafür: der PKW Bestand geht am Alsergrund jährlich um 200-300 Autos zurück, von 13.737 im Jahr 2021 auf 12.962 PKW in 2023. Wenn wir Parkplätze im öffentlichen Raum nicht reduzieren, kommt es zur sog. „Garagenflucht“: Menschen mit teuren Parkplätzen in Garagen beginnen, im billigen öffentlichen Raum zu parken.

Wie ist das mit der Abbiegespur in die Nussdorfer Straße, die ihr ebenfalls begrünen wollt?

Nur 2,5% der vorbeifahrenden Autos hier nützen die Abbiegespur in die Nussdorfer Straße. Dafür braucht es keine 100m lange Spur – 15m würden auch leicht ausreichen. Eine Ladezone für die Gewerbetreibenden müsste natürlich mitbedacht werden.

Warum darf das Cabriobeet überhaupt parken? Ist das eine angemeldete Kunstaktion?

Nein, das ist keine Kunstaktion, sondern die einzige Möglichkeit, unbürokratisch und schnell ein Hochbeet in die Parkspur zu stellen. Der Wagen konnte mit der Hilfe von 52 großzügigen Spendern repariert werden, hat ein Anrainerparkpickerl und besucht auch gerne Straßenfeste oder Demos – Ende Juni waren wir zB am Klimafest des Parhamergymnasiums im 17.Bezirk.

Du könntest doch auch eine sogenannte „Grätzloase“, also ein Parklet beantragen.

Prinzipiell sind Parklets eine gute Sache und das Aktionsprogramm „Grätzloase“ unterstützenswert. Man muss aber klar sagen, dass dabei ganz generelle Unterechtigkeiten in der Hierarchie von VerkehrsteilnehmerInnen fortgeschrieben werden. Wenn ich mein Auto in der Parkspur abstelle, privatisiere ich öffentlichen Raum. Wer ein Parklet aufstellt, muss damit aber den öffentlichen Raum bereichern, zB Sitzgelegenheiten schaffen. Warum darf ich mir nicht für 10€ im Monat (Anm. so viel kostet das Anrainerparkpickerl) ein Hochbeet, einen Wutzler, einen Kaffeetisch in die Parkspur stellen? Außerdem ist auch noch zu vermerken, dass es keinen Rechtsanspruch auf das Aufstellen eines Parklets gibt: wenn die Bezirksvorstehung mehr Angst vor dem Stellplatzverlust als vor dem Klimakollaps hat, wird sie das Parklet nicht genehmigen. So geschehen im Juni 2023, als das Cabriobeet dann für 2 Wochen vor der Universität für Angewandte Kunst geparkt hat, weil der Bezirksvorsteher der Inneren Stadt ein Parklet nicht genehmigt hatte.

Christoph Schwarz (43) ist Filmemacher und lebt mit seiner Familie in Wien-Alsergrund. Sein erster Langfilm, die Mockumentary „Sparschwein“ kam im Frühjahr 2024 in die Kinos – und erzählt auf humorvolle Weise von Christophs Weg in den Klimaaktivismus. Mehr Informationen unter www.christophschwarz.net/sparschwein


Der Traum vom Cabriobeet

Christoph Schwarz im Gespräch mit Daniel Bleninger, August 2021

Wie kommt man dazu, dass man ein wunderschönes Cabrio für ein paar vertrocknete Kräuter opfert?

Geopfert ist da gar nichts, das Peugeot Cabriobeet 306 ist absolut fahrtüchtig. Die Unterkonstruktion am Fahrerinnensitz kann rückgebaut werden, dann steht einer Spritztour mit Beet nichts im Wege. Und die Kräuter werden sich schon erholen, umpflanzen im Hochsommer ist halt riskant. Ich verstehe, dass man dem Charme eines Cabrios erliegen kann, aber ich für meinen Teil finde die Idee des Kräuterbeets als sozialer Begegnungsort im öffentlichen Parkraum viel ansprechender als das fragwürdige Freiheitsversprechen des motorisierten Individualverkehrs – vorallem in einer Stadt wie Wien, wo der öffentliche Verkehr im innerstädtischen Bereich sehr gut ausgebaut ist.

Was möchtest Du mit dieser Aktion herausfordern?

Ich möchte, dass wir mit frischen Augen unsere Stadt anschauen, und uns überlegen, wie wir mit dem knappen Gut öffentlicher städtischer Raum umgehen wollen. Während die Wohnungspreise steigen, ist es möglich, mit einem Auto für 10 Euro / Monat acht Quadratmeter öffentlichen Raumes zu privatisieren. Dabei sollten doch genau umgekehrt klimafreundliche Aktivitäten im öffentlichen Raum gefördert werden! Wieso darf ich mir nicht mit ähnlich unkomplizierten Behördenwegen für diese Summe ein Hochbeet aufstellen, an dem dann auch andere Menschen eine Freude haben? Ich möchte aber nicht falsch verstanden werden: es geht nicht darum, AutobesitzerInnen individuell anzuklagen. Wir brauchen eine mutige Politik, die massiv in Carsharing-Lösungen investiert, die öffentliche Verkehrsmittel kostenlos anbietet und aufhört, Milliarden in große Straßenbauprojekte zu versenken.

Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen bei dieser Aktion?

Das Carbio ist angemeldet und verfügt über ein Parkpickerl. Natürlich könnten die Behörden eine Fahrtüchtigkeitsprüfung anregen, wenn der Verdacht besteht, dass mein Cabrio nicht mehr fährt. Den Beweis treten wir gerne an, und parken uns eben woanders hin.

Wie sind die Reaktionen aus der Nachbarschaft?


Es gab ein überwältigendes Echo hier im Grätzel. Viele bleiben stehen und machen ein Foto, das Cabrio ist Gesprächthema und öffnet plötzlich einen Raum, in dem sich Menschen begegnen. Man merkt, wie dringend wir in der Stadt mehr Kommunkationsräume bräuchten, in denen kein Konsumzwang herrscht und man gerne verweilt. Der Platz wäre rechnerisch da, wenn wir uns mittelfristig von einem Teil der 700.000 Wiener Autos verabschieden. Das Cabriobeet ist ja ein direktes Angebot an die Nachbarschaft, sich einzubringen. Die Kräuter können geerntet und verwendet werden, ich freue mich auch, wenn jemand Lust hat, mitzugarteln und weitere Kräutersträucher einsetzt. Ich muss gestehen, mir fehlt der grüne Daumen.

—–

Christoph Schwarz (40) ist Filmemacher und lebt mit seiner Familie in Wien-Alsergrund. Für seinen Essayfilm „Die beste Stadt ist keine Stadt“, der multiple Sichtweisen auf die Seestadt Aspern vereint, wurde er 2020 mit dem Österreichischen Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Der Film ist noch bis Ende des Jahres auf der Website von Christoph Schwarz kostenlos zu streamen: www.christophschwarz.net/dbsiks

Privacy Settings
We use cookies to enhance your experience while using our website. If you are using our Services via a browser you can restrict, block or remove cookies through your web browser settings. We also use content and scripts from third parties that may use tracking technologies. You can selectively provide your consent below to allow such third party embeds. For complete information about the cookies we use, data we collect and how we process them, please check our Privacy Policy
Youtube
Consent to display content from Youtube
Vimeo
Consent to display content from Vimeo
Google Maps
Consent to display content from Google