Gift Economy Worker Kyoto

Flucht vor der Freiheit
Kurzbeschreibung

Im Oktober 2010 trug Christoph Schwarz die Idee zu einem partizipativen Experiment an „hanare“ – einem Café mit sozial/politischem Anspruch und Kulturprogramm in Kyoto – heran: Er bot sich selbst als kollektives Eigentum dem Verein an, im Zeitraum von 2 Wochen könne „hanare“ mit diesem Besitz wie beliebt verfahren.

„Da dieser Vorschlag durch Mehrheitsbeschluß abgelehnt wurde, mussten wir über andere Varianten nachdenken: Hanares Selbstverständnis steht in klarer Gegnerschaft zu hierarchischen Strukturen, so konnte ich das Kollektiv nur überzeugen, indem ich dieses unterwürfige Angebot von 2 Wochen kostenloser Arbeit in ein Geschenk uminterpretierte.“

Trotzdem setzten wir einen Vertrag auf, um hanares Recht festzuschreiben, meine Arbeitskraft sowohl für die eigenen Bedürfnisse, als auch zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen. Freunde, Nachbarn und Gäste der „Social Kitchen“ sollten mich verwenden dürfen- als Gegenleistung würde hanare Verpflegung, Kleidung und Unterbringung zu Verfügung stellen.

Credits

Performance/Kurzfilm
2010, Japan – Dauer 12 min,
Japanisch, Untertitel Deutsch/Englisch
Offstimme Gen Seto

Screenings / Ausstellung

„Overseas Assignments“, Galerie Frey, Wien (2011, Solo)
Ursula Blickle Video Archiv @ Slovenia Cinematheque

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Interview
Presskit

Statement Christoph Schwarz:

„Artist-in-Residence Programme laufen meist nach folgendem Schema ab: Der/die KünstlerIn nützt für eine bestimmte Zeit die Infrastruktur und Unterstützung einer Institution, als Gegenleistung wird Kunst produziert. Beide Seiten verdienen Reputation und Anerkennung in der Öffentlichkeit. Die Arbeit des/der KunstproduzentIn ist per Definition egoistisch, der Verwirklichung der eigenen Ideen hat die allerhöchste Priorität, die Institution steht dabei unterstützend zur Seite. Mit meinem Aufenthalt in hanarerad möchte ich dieses Verhältnis umdrehen, und die Autorenschaft zu einem großen Teil in die Hände von hanare legen, die entscheiden werden, welche Arbeiten der Gift Economy Worker Kyoto verrichten soll. Das Projekt soll als Konsequenz aus dem Vorwurf gelesen werden, Kunst sei nur ein selbstreferentielles Spiel, das nur zur Unterhaltung eines eingeweihten Kreises aufgeführt wird. Ein Kernargument aus diesem Vorwurf soll wörtlich genommen werden: für einen limitierten Zeitraum möchte ich Arbeit mit praktischen, greifbaren Resultaten verrichten, um aufzuzeigen, das Kunstproduktion „echte Arbeit“ sein kann. Gleichzeitig spüre ich ein großes Interesse, zu erfahren wie mit dem Angebot der kostenlosen Arbeit umgegangen wird – speziell in einer Gesellschaft wie der japanischen, wo ein erhaltenes Geschenk zugleich mit der Obligation zur Gegenleistung behaftet ist. Im Kontext von hanare und seinem sozialpolitischen Engagement kann das Gift Economy Worker Projekt auch als Ausgangspunkt einer breiteren Diskussion zum Wert von Arbeit und alternativen Tauschformen gesehen werden.“